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Gründung der Fachschule

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Die Gründung der Landwritschaftlichen Schule Litzlhof im Jahre 1908
die Entwicklung bis zum Kriesgausbruch

 

Der erfreuliche Aufschwung, den die gesamte Landwirtschaft um die Wende des Jahrhunderts in Kärnten nahm, regte weite Kreise an, der Frage näher zu treten, wie eine ersprießliche Förderung dieses wichtigsten Zweiges der Volkswirtschaft des Landes in die Wege geleitet werden könnte.

In der richtigen Erkenntnis, dass eine gute allgemeine und fachliche Ausbildung der bäuerlichen Jugend die beste Gewähr für den wirtschaftlichen und kulturelle Fortschritt in der Landwirtschaft bietet, wurde in teilweiser Ausführung eines damals von den maßgebenden Stellen in Kärnten aufgestellten landwirtschaftlichen Schulprogramms im Herbst 1905 die landwirtschaftliche Winterschule in Spittal an der Drau errichtet und der Leitung des Landwirtschaftslehrers Hafner unterstellt.

An seine Stelle trat 1906 der damalige Alpeninspektor von Kärnten Karl Pulfer. Die landw. Winterschule in Spittal an der Drau musste ihre Existenz unter den denkbar einfachsten Verhältnissen fristen und an Räumlichkeiten stand nur ein einziges, knapp 20 Schüler fassendes Lehrzimmer im Volksschulgebäude zur Verfügung. Es fehlten Internatsräume gänzlich, Lehrbehelfe waren nur in bescheidenem Ausmaß vorhanden. Man konnte die Winterschule nur als ein Provisorium betrachten, wenn man die mit ihrer Gründung verbundenen Ziele nicht wegen der Beschränktheit und Kleinlichkeit der Verhältnisse aus dem Auge verlieren wollte. Es war daher naheliegend, dass sich Direktor Karl Pulfer eifrig nach einer besseren Lösung umsah.


Anfang September 1908 wurde zwischen ihm und den damaligen Obertierarzt des Bezirkes Spittal a. d. Drau und späteren Hofrat Rudolf Kukutsch erstmalig der Plan der Verlegung der Schule von Spittal a. d. Drau nach dem Litzlhof in Erwägung gezogen und gleich einige Tage darauf in einer persönlichen Vorsprache dem nunmehr verstorbenen, damaligen Reichsratsabgeordneten Professor Dr. Viktor Waldner auf dessen Besitz in Dellach im Gailtal unterbereitet.

Dieser griff sofort die Sache mit größtem Eifer und der ihm eigenen Tatkraft auf. Über seine Einladung und unter seiner Führung wurde der Litzlhof von den nunmehr verstorbenen Herren Reichstagsabgeordneten Hans Hofer, Löscher in Unterhaus bei Seeboden, Josef Nagele in Völkermarkt und Alois Pirker in Hörtendorf bei St. Veit und dem Landtagsabgeordneten Karl Kapeller in Lendorf eingehend besichtigt, wobei auch die ersten Verhandlungen über den Ankauf des Gutes mit dem Besitzer Dr. Damian geführt wurden.

Mit viel Humor leisteten die fünf Männer an Ort und Stelle den „Rüttlischwur“, den Plan mit aller Energie zu vertreten und bereits einige Wochen später, Anfang Oktober des Jahres 1908, gelang es ihnen, in der Herbsttagung des Landtages den Ankauf durchzusetzen.

Der Kaufpreis von 234.000 Kronen war mit Rücksicht auf die vorhandenen großen schlagbaren Holzbestände ein mäßiger und konnte dadurch erreicht werden, dass der Besitzer Dr. Josef Damian der jungen Schöpfung das wärmste Wohlwollen entgegenbrachte und den Kaufpreis wesentlich herabsetzte. Der Staat würdigte diese Opferwilligkeit durch die Verleihung des Adelsprädikates „Edler von Schöpfenbrunn“ an Herrn Dr. Josef Damian, das dessen Vorfahren bereits geführt hatten.

Noch selten wurde eine gute Idee so rasch in die Tat umgesetzt, wie der Ankauf des Litzlhofs durch das Land Kärnten. Noch rascher vollzog sich die Verlegung der landw. Winterschule von Spittal an die neue Stätte der Wirksamkeit. Kaum 14 Tage nach erfolgtem Landtagsbeschluss konnte der erste Lehrkurs am Litzlhof eröffnet werden, wobei es allerdings große Schwierigkeiten zu überwinden galt.


Die Leitung der Schule wurde vom früheren Winterschulleiter Karl Pulfer übertragen. Vorerst wurde die Schule mit einem Kurs geführt, aber bereits mit dem Landtagsbeschluss vom 9. 10. 1909 wurden zwei Kurse angeboten. Es galt nun, die notwendigen Schul- und Internatsräume für die größere Anzahl von Schülern und die Wohnungen für die Lehrerschaft und die Angestellten zu schaffen und schließlich auch den landwirtschaftlichen Betrieb so aus- und umzugestalten, dass er den Anforderungen, die an einen Schulbetrieb gestellt werden, gerecht wurde.

Das bestehende Landhaus Litzlhof wurde unter erheblichem Kontenaufwand durch Aus- und Zubau in ein Schulhaus mit Internatsräumen verwandelt. Dabei ergab sich die Notwendigkeit größerer Felssprengungen und unerwartet schwieriger Kanalisationsarbeiten. Durch ausgiebige Hilfe des Ackerbauministeriums erfolgte die Errichtung der Molkerei- und Käsereiräume. Der Schul- und Wirtschaftsbetrieb erhielt durch Fassung von Hochquellen am Hühnersberg und durch Errichtung eines Wasserspeichers ca. 50 m oberhalb des Gehöftes eine neue Wasserversorgung mit Hydranten zum Brandschutz.

Es wurde eine große neue Düngeranlage samt Jauchengrube mit einem Fassungsraum von 180 m³ errichtet; Der Rinderstall wurde ebenfalls einer gründlichen Verbesserung unterzogen. Die Schweineküche erhielt einen Zubau und eine Lufthütte, die für die naturgemäße Haltung der Zuchtschweine errichtet wurde. Mit verhältnismäßig geringen Kosten konnte unter Heranziehung der Schüler ein großer Teil des Feichter Mooses entwässert werden.

Um den Schulbetrieb auch auf der Hofalm zu ermöglichen wurden dort unter finanzieller Mithilfe des Ackerbauministeriums Schulund Internatsräume, sowie eine Lehrmolkerei errichtet.

Durch geldliche Unterstützung seitens des Ackerbauministeriums wurde auf der Hofalm unter Direktor Karl Pulfer ein 5 km langer, brauchbarer Fahrweg erstellt und das vorhandene, auf einer Meereshöhe von 1780 m gelegenen Almstallgebäude umgebaut und gleichzeitig für die höher gelegene Weidestaffel auf 1900 m Meereshöhe ein zweiter Stall errichtet. Beide Stallungen wurden mit Güllegruben versehen. Seit dem Jahre 1913 wird daher der Dünger auf der Alm verflüssigt und wir werden in der Behauptung nicht fehl gehen, dass die Düngerverschlauchung in Kärnten erstmalig auf der Hofalm durchgeführt wurde.

Die Schule konnte in kurzer Zeit eine erfreuliche Entwicklung aufweisen. Die Schülerzahl steigerte sich von Jahr zu Jahr, so dass im Winter bald die Schul- und Internatsräume bis auf den letzten Platz gefüllt waren. Bei der Einrichtung der Schulgutwirtschaft am Litzlhof wurde die größte Sorgfalt der Rinder und der Schweinehaltung zugewendet. Es wurde in erster Linie getrachtet die Haltungsund Fütterungsverhältnisse für die zwei wichtigsten Zweige der Viehhaltung zu verbessern. Diesem Zwecke dienten die früher erwähnten, baulichen Maßnahmen im Wirtschaftsbetriebe, die Entwässerung des Feichter Mooses, die Abänderung des Fruchtwechsels und der Düngerwirtschaft, sowie die umfassende Verbesserung der Hofalm.

Es gelang den Viehstand von Jahr zu Jahr zu erhöhen und dabei nicht nur in der Talwirtschaft, sondern auch auf der Hofalm ausreichend zu ernähren. Weiters wurden durch züchterische Maßnahmen auf die Verbesserung der Bestände und auf die Erzeugung hochwertigen Zuchtmaterials für den Verkauf hingearbeitet, in der Rinderhaltung besonders auf die Hebung der Milchleistung.

 

Die Schweinehaltung wurde vom Vorbesitzer übernommen und die Zucht des veredelten Landschweins wurde auf die Reinzucht des deutschen Edelschweins umgestellt. Damit die Vielseitigkeit des Gutsbetriebes nicht fehlte, wurde die Pferde- und Schafzucht nicht vernachlässigt, obzwar die beiden Zweige vor dem Kriege keine großen Rentabilitätsaussichten boten.

Hinsichtlich der Felder- und Wiesenbewirtschaftung wurde vor allem ein neuer rationeller Fruchtwechsel in erhöhtem Hackfruchtbau und in Verbindung mit Wechselwiesen und Güllewirtschaft eingeführt, wobei ohne Vernachlässigung des Getreidebaues doch das Hauptgewicht auf die Erzeugung größerer und qualitativ hochwertiger Futtererträge auf dem Acker- und Wiesenlande als Grundlage eines zahlreichen leistungsfähigen Viehbestandes gelegt wurden.

Gleich nach der Gründung der landw. Schule Litzlhof wurde getrachtet, durch landwirtschaftliche Wanderlehrtätigkeit und Abhaltung von Vorträgen und Kursen auch außerhalb der Schule die innige Verbindung des Bauernstandes mit der Schule herbeizuführen. Direktor Karl Pulfer organisierte im Jahre 1908 die erste land- und alpwirtschaftliche Studienreise der Kärntner Landwirte in die Schweiz, die den meisten der 43 Teilnehmer von dauerndem Vorteil für ihre spätere Wirtschaftsführung war. Er beteiligte sich im Jahre 1909 an der Gründung des alpwirtschaftlichen Vereines in Kärnten, war dessen erster Geschäftsführer und zugleich Schriftleiter der „Alpwirtschaftlichen Mitteilungen für Kärnten und Salzburg“. Er regte im Jahre 1910 die Gründung der Schweinezucht – Genossenschaft Lurnfeld zur Reinzucht des deutschen Edelschweins an und war viele Jahre deren Obmann. Die Genossenschaft Lurnfeld bewährte sich vorzüglich und erlangte eine Bedeutung weit über das Lurnfeld hinaus. Sie hat viel für die Veredelung und Verbesserung der Schweinebestände in ganz Kärnten und in anderen Ländern der ehemaligen Monarchie beigetragen. Direktor Karl Pulfer war aber auch eine Reihe von Jahren Obmann der Rinderzuchtgenossenschaft Lurnfeld.

Es war in den ersten Jahren nach der Gründung der landw. Schule Litzlhof keine leichte Aufgabe, dieselbe in ihrer Ausgestaltung zu heben und es ist ein Akt der Dankbarkeit jener Männer zu gedenken, welche die Grundlagen hiezu schufen. Den früher erwähnten Begründern der Schule ist das ganze Land zu Dank verpflichtet. Von Seiten des Landes Kärnten hatte der leider zu früh verstorbene Politiker Alois Hönlinger die Schule von ihrer Gründung bis zum Kriegsende zu betreuen.

Er war ein unentwegter, eifriger und warmherziger Förderer der Lehranstalt und hatte in der ersten Zeit des Aus- und Aufbaues viele Kämpfe auszufechten. Ein jederzeit treuer Freund war der verwiegte ehemalige Präsident der Kärntnerischen Landwirtschaftsgesellschaft, kaiserlicher Rat Anton Supersperg, der in seiner ruhigen, bedächtigen aber überaus klugen Art im Stillen, ohne dass es die Öffentlichkeit wusste, der Schule in ihren ersten Anfängen vortreffliche Dienste leistete.

Ein viel erfahrener und guter Berater war Herr Landtagsabgeordneter Karl Kapeller in Lendorf und als treuer, verlässlicher Freund und Förderer der Anstalt erwies sich jederzeit Herr Hofrat Kukutsch.

Von den Gründern und Förderern der Schule und von den an ihrer ersten Entwicklung unmittelbar beteiligten Personen haben Viele seither das Zeitliche gesegnet. Ihre großen Verdienste um die Allgemeinheit werden leider in unserer raschlebigen, unruhigen Zeit von einer unzufriedenen und wohl oft undankbaren Generation nur zu leicht und rasch vergessen. Wir neigen uns in Dankbarkeit und Verehrung vor den Gräbern der Verstorbenen und freuen uns, den noch Lebenden am 25 jährigen Jubelfest der Lehranstalt den verdienten Dank auszusprechen.

 

Unter den Verstorbenen der Angestellten des Litzlhofs soll des Obermelkers Lorenz Lux – im ganzen Oberland als der Lenz am Litzlhof wohlbekannt – gedacht werden. Er war ein vorzüglicher Lehrmelker, Fütterer, Viehpfleger und Almhalter, ausgestattet mit den besten persönlichen Eigenschaften. In der Kälberaufzucht war er ein unübertrefflicher Künstler.

Eine große Zahl junger Leute genoss durch ihn eine vorzügliche Praxis in der Viehhaltung und Almbewirtschaftung. Alte, die ihn kannten, haben ihn als Lehrmeister und Menschen schätzen und achten gelernt. Nach 22 jähriger ununterbrochener Dienstzeit riss ihn im Jahre 1931 der Tod aus seiner erfolg- und segensreichen Wirksamkeit.

Er war einer jener Menschen aus der Klasse der Landarbeiter, die bei vorbildlicher Pflichterfüllung im engen Kreise eine wichtige Mission erfüllen und weit über ihre Umgebung hinauswachsen.

Beschlüsse

des Kärntner Landtages und des Landesausschusses über den Ankauf des Litzlhofs und die Widmung des Gutes für landw. Schulzwecke. Die Mithilfe des Staates.

Nach den stenographischen Protokollen über die Verhandlungen des Kärntner Landtages und nach den Akten des Landesausschusses.

Durch Landtagsbeschluss vom 14. Oktober 1908 Nr. 384 wurde der Landesausschuss ermächtigt, das landgräfliche Gut Litzlhof und die dazu gehörige Hofalpe, sowie das gesamte tote Wirtschaftsinventar um den Kaufpreis von 200.000 Kronen zu erwerben und den Viehstand und den Fechsung des Jahres 1908 zu einem angemessenen Preise zu übernehmen.

Diesem Antrag kam der Landesausschuss durch den Abschluss des Kaufvertrages am 2. bzw. 10. 11. 1908 nach. Der Viehstand, sowie die Futter- und Getreidevorräte wurden um den Preis von 34.000 Kronen übernommen, sodass die gesamten Erwerbungskosten 234.000 Kronen betragen. Die Besitzübertragung auf den Landesfond hat zufolge der Gerichtsbeschlüsse am 21.11. und 10.12. und 28.12.1908 stattgefunden.

Das k. und k. Ackerbauministerium hat mit dem Erlass von 27.10.1908, Zl. 42.711/1656 eine Staatssubvention von 85.000 Kronen zugesichert.

Die im Punkte 4 des Landtagsbeschlusses vom 4.11.1908, Zl. 507, aufgetragene Verlegung der landw. Winterschule in Spittal nach Litzlhof wurde sofort nach Übernahme des Gutes vorgenommen und es wurde die Winterschule in Litzlhof am 19. November 1908 eröffnet. In der Sitzung am 9. Oktober 1909, hat der Kärntner Landtag über Antrag der k. und k. Landwirtschaftsgesellschaft folgenden Beschluss gefasst:

  1. der Landesausschuss wird ermächtigt, die zur Errichtung einer zwei klassigen Schule in Litzlhof erforderlichen Um- u. Zubauten, die für die Schul- und Internatsgebäude mit 47.200 Kronen, für die Ausbesserungsarbeiten am Wirtschaftsgebäude und für den Umbau der Düngerstätte mit 4.400 Kronen veranschlagt wurden, auszuführen.

  2. Die vom Landesausschuss bereits erfolgte Vergebung der Ausführung einer neuen Wasserleitung wird um den Betrag von 14.000 Kronen und des Umbaues des Waschhauses um den Betrag von 600 Kronen nachträglich genehmigt.

  3. Der Landesausschuss wird angewiesen, für die Ausführung dieser Bauten einen ausgiebigen Staatsbeitrag zu erwirken.

Die Bauausführung wurde in Angriff genommen, wobei jedoch große Überschreitungen der veranschlagten Beträge erfolgten. Den Bemühen des Landesausschusses war es gelungen, den Staatsbeitrag von 85.000 auf 100.000 Kronen zu erhöhen.

Weiters hat die Regierung in Anerkennung der Notwendigkeit, dass das Molkereiwesen in Kärnten entsprechend ausgebildet werde, hiezu einen Beitrag von 12.000 Kronen gewidmet und den seinerzeit zugesicherten Erhaltungsbeitrag von jährlichen 2000 auf 3000 Kronen erhöht.

In der Sitzung vom 28. Februar 1912 hat nun der Kärntner Landtag über Antrag des Landesausschusses folgende Beschlüsse gefasst:

  1. Die Herstellung am landw. Schulgute Litzlhof mit dem Gesamtkostenbetrage von 140.843 Kronen werden genehmigt.

  2. Zu den mit beiläufig 40.000 Kronen veranschlagten Kosten der Verbesserungsarbeiten und baulichen Herstellungen auf der Hofalpe wird ein 25%iger Beitrag aus Landesmitteln von 10.000 Kronen bewilligt.

  3. Der Landtag erklärt: Das dem Lande gehörige Schulgut Litzlhof wird dauernd als Schulgut zur Unterbringung einer landw. Lehranstalt gewidmet und kann in dieser Eigenschaft nur durch einen Beschluss des kärntnerischen Landtages mit Zustimmung des k. und k. Ackerbauministeriums entzogen werden.

Dasselbe gilt hinsichtlich des Gutzubehörs und der Schuleinrichtung. Der Kärntner Landesausschuss wird ermächtigt, die grundbücherliche Anerkennung dieser Widmung zu erwirken.


 

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