25 - jähriges Jubiläum

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Die Landwirtschaftliche Schule Litzlhof seit dem 25-jährigen Jubiläum im Jahre 1933

Eine statistische Aufstellung über den Besuch der Landwirtschaftsschule Litzlhof zeigt deutlich deren wachsende Beliebtheit in ganz Kärnten und weit über die Landesgrenzen hinaus. Waren in den ersten Jahren nur Schüler aus den Bezirken Spittal, Villach und Hermagor hier, so kamen besonders nach dem ersten Weltkriege immer mehr und mehr Besucher auch aus den übrigen Teilen des Landes und darüber hinaus aus anderen Bundesländern und sogar vom Ausland.

Die Zahlen der Anmeldungen, der Aufnahmen in den 1. Kurs und die Zahlen der Absolventen zeigen nach dem ersten Weltkrieg einen steilen Anstieg; die Anmeldungen überschreiten bereits die Aufnahmefähigkeit der Schule weit.

Die Jahre nach 1933 weisen einen deutlichen zahlenmäßigen Rückgang auf, dem 1938 wieder ein starker Anstieg der Zahl der Anmeldungen und Aufnahmen folgt, während die Zahl der Absolventen durch die bald eintretenden Kriegsverhältnisse stark absinkt. So mussten im Schuljahre 1942/43 die noch verbliebenen sieben Schüler der Oberklasse am 3.11.1943 an die Schule St. Georgen am Längsee überstellt werden.
In diesem Jahre sind hier überhaupt keine Absolventen zu verzeichnen. Im darauffolgenden Winterkurs 1943/44 waren es noch einmal 30 Absolventen, die die Landwirtschaftsschule verließen, dann aber musste der Litzlhof seine Tore für die Schüler gänzlich schließen.


Schon im Jahre 1944 wurde auf Anordnung der damaligen Landesregierung die Gutswirtschaft von der Schule getrennt und ein selbstständiger Verwalter des Gutes eingesetzt.


Im Sommer 1944 wurden noch verschiedene nicht landwirtschaftliche Kurse im Schulgebäude abgehalten. Noch ehe der letzte dieser Kurse das Haus verlassen hatte, machte sich die sich unserem Lande nähernde Front durch die erste Einquartierung einer Luftnachrichten – Abteilung bemerkbar.

Im Herbst 1944 wurde das ganze Gebäude von einem Lazarett zunächst als Ausweichlager beschlagnahmt und sämtliche Räume der Schule wurden mit Sanitätsmaterial angefüllt.

Beim Zusammenbruch Anfang Mai 1945 wurde die ganze Umgebung des Lurnfelds zum Lazarett. Auf dem Litzlhof wurde die chirurgische Abteilung mit hunderten von kranken und schwerverwundeten Soldaten einquartiert, von denen acht ihre letzte Ruhestätte auf dem Pusarnitzer Friedhof gefunden haben.

Das Lazarett stand nach dem 8. Mai mit dem Beginn der Besetzung unter englischem Kommando. Am 10. Mai ist ein Lazarettzug aus Laibach am Bahnhof Pusarnitz angekommen. Die Verwundeten wurden nach Drauhofen und auf den Litzlhof gebracht. Mitte Juni wurde das Lazarett nach Spittal verlegt und schon glaubte man wieder Vorbereitungen für die im Herbst beginnende Schule treffen zu können, als die ganzen Gebäude des Litzlhofs von der Militärregierung als englische Landwirtschaftschule neuerdings beschlagnahmt wurden. Von der Beschlagnahme wurde zunächst vor allem die Schule betroffen, während die Gutswirtschaft noch ziemlich normal weiterarbeiten konnte. Allerdings musste sich auch diese im Laufe der Besetzung wesentliche Einschränkungen in der selbständigen Verwaltung auferlegen lassen.

Englische Soldaten besuchten nun am Litzlhof die gleichzeitig laufenden Farmer- und Gärtnerkurse. Diplom Landwirt Ernst Schönleber unterrichtete vom Juni 1945 bis September 1947 als einziger Zivilist und Nicht - Engländer landwirtschaftliche Unterrichtsfächer in englischer Sprache und hatte dadurch Gelegenheit die Belange unserer Landwirtschaftsschule der Besatzungsmacht gegenüber zu vertreten.

Im Sommer 1946 sollten die Gebäude wieder der Zivilverwaltung zurückgeben werden. Deshalb wurde von der Landesregierung die Eröffnung der Schule ausgeschrieben, worauf etwa 200 Anmeldungen einliefen. Leider aber blieben die Engländer doch noch länger hier. Von den angemeldeten Schülern wurde ein kleiner Teil an anderen mittlerweile in Kärnten eröffneten Landwirtschaftsschulen untergebracht.

Endlich am 1. September 1947 verließ der letzte Soldat der englischen Besatzungsgruppe den Litzlhof und nun konnte die Schule wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden.
Hierauf meldeten sich wiederum etwa 200 Bewerber für die Aufnahme in die Landwirtschaftsschule an; die meisten unter ihnen waren Heimkehrer aus verschiedenen Weltteilen.

Bevor aber die Schule eröffnet werden konnte, mussten viele Instandsetzungsarbeiten an Gebäuden und Einrichtungsgegenständen durchgeführt werden, die es erst nach Einsatz aller Beteiligten ermöglichten, dass am 5. November 1947 die Eröffnung des ersten Nachkriegslehrganges erfolgen konnte.

Mit zwei Fachlehrern und sechs Hilfslehrer begann für 86 Schüler (47 in der Unterklasse und 39 in der Oberklasse) der Unterricht, der bis 25. März 1948 dauerte.

Das pflanzenbauliche Versuchswesen kam gegen das Ende des Krieges fast ganz zum Erliegen. Lediglich die Züchtungsaufgaben am Lurnfelder-Roggen gingen weiter. Allerdings kam es auch hier zu Schwierigkeiten, da im Winter 1944/45 kein Lehrer mehr am Litzlhof war.

Der bisherige Leiter B. Buchacher war zur Führung seines eigenen Betriebes beurlaubt, Dipl. agr. Ernst Schönleber zur Wehrmacht eingezogen. Von diesem wurden noch im Herbst 1944 die Zuchtstämme, sowie die erste und zweite Vermehrung des Lurnfelder- Roggens ausgesät. Die damalige Gutsverwaltung versäumte es den Zuchtgarten entsprechend einzuzäunen, so dass die ganzen Stämme restlos von Flüchtlingspferden vernichtet waren, als Dipl. agr. Schönleber im Mai 1945 aus dem Krieg zurückkam.

Die Züchtung des Lurnfelder-Roggens ist eine Lebensarbeit des verstorbenen Fachlehrers Sporer und liegt in den Händen von Herr Dr. Ernst Lasser, der sich damals noch in Kriegsgefangenschaft befand. Es galt also von dieser so wertvollen Arbeit zu retten, was noch zu retten war. Im Herbst 1945 wurden die restlichen Körner der besten Stämme der Zuchtstammernte 1944 laut Zuchtbuch als Zuchtstämme gesät und die vorhandene Vermehrung wurde entsprechend verwendet.

Nach Heimkehr des Herrn Dr. Lasser fand auch das übrige Versuchwesen auf dem Litzlhof wieder seinen althergebrachten Fortgang.

Sommer 1948
von Dipl. agr. Ernst Schönleber

 

 

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